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Interview mit Volker Weiss: „Ich lebe im Paradies auf Erden, auch als Maui bekannt.“ (Teil 2)

Reto Stuber interviewt Persönlichkeiten aus Deutschland, die den Weg nach Amerika gemacht haben.

Heute im Interview: Volker Weiss, Immobilienmakler auf Maui, 2. Teil (1. Teil hier).

Was gefällt Dir besser am Leben auf Hawaii – abgesehen von Sonne, Natur und endlosen Traumstränden ;-) ?

Meer, Sonne und Natur bilden mit Sicherheit die Grundlage für das Leben auf einer Insel so wie Maui. Hawaii liegt mitten im Pazifik und am weitesten weg von jedem anderen Platz, an dem Menschen leben. Was mir an Zivilisation fehlt, kann ich mir heute einfach über das Internet bestellen oder ansehen. Das erste Mal war es schon unheimlich, wenn im Supermarkt die Regale leer sind, weil irgendwo im Pazifik ein Sturm tobte und das zuständige Schiff nicht rechtzeitig ankam. Aber schlechte Nachrichten und Realityshows bietet das Fernsehen auf Knopfdruck ja sonst eh genug.

Sonnenuntergang

Mit der richtigen Einstellung für die schönsten Dinge im Leben ist Maui einfach das Paradies schlecht hin. Es gibt hier keine vier Jahreszeiten, sondern  es ist einfach warm. Morgens früh zum Surfen, mit dem Rennrad durch die Sonne radeln oder zum Work-out im tiefen Sand am Strand mit einem Freund treffen. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich vor der schwierigen Wahl stehe, welches Shirt ich mir denn heute mal anziehe. Meine Füße fangen an zu schwitzen, wenn der Kopf nur an Socken denkt. Wann auch immer es mit der Arbeit passt, fahre ich nachmittags zum Windsurfen an die Nordküste.

Die Scheiben im Auto beschlagen hier nicht und die Fußmatten werden nie nass, nur sandig. Die farbigen Sonnenuntergänge sind für mich ein tägliches Erlebnis. Unsere natürliche Klimaanlage ist ein Traum. Wir haben in unserem Haus an 365 Tagen im Jahr, Tag und Nacht unsere Fenster geöffnet. Nachts gibt es kein Wind, nur Stille. Es gibt hier keine Großstadt. Es ist einfach dunkel. Der Sternenhimmel und die Milchstraße sehen beim ersten Mal völlig unnatürlich aus und erinnern mich an das Planetarium im Hamburger Stadtpark.

Durch meine Erfahrungen mit der Dritten­ Welt in Afrika und Asien habe ich die natürliche Schönheit meiner einzigartigen Umwelt in Hawaii ganz besonders schätzen gelernt. Auf eine ganz eigenwillige Art und Weise scheint die Zeit hier, ganz einfach gesagt, stillzustehen. Wenn man hier länger lebt, versteht man, wie klein diese ­Inselwelt auf Maui wirklich ist. Es gibt nur etwa 140,000 Einwohner. Die meisten Menschen kommen nur zu Besuch, meist nur ganz kurz und nur ein einziges Mal im Leben. Die Realität verschmilzt mit einem Traum. Ich bin hier zu Hause. Wahnsinn!

Bild3

Du bist mit einer Amerikanerin verheiratet, wie habt Ihr Euch kennengelernt und welche Rolle hat sie für dein Zurechtfinden in den USA gespielt?

Meine Frau habe ich in einem der großen Strandhotels auf Maui kennengelernt. Es ist für uns beide die zweite Ehe, aber inzwischen auch unsere längste Beziehung. Unser Entschluss, das Leben gemeinsam zu genießen, setzte irgendwie immer voraus, das Maui unsere Heimat bleibt. Ohne Worte ist uns beiden das von Anfang an klar gewesen.

Das Hotelgewerbe in Verbindung mit der Arbeit in verschiedenen Ländern auf anderen Kontinenten hat mir die Integration in den USA sicherlich erleichtert. Aber für die deutsche Natur ist eine blonde kalifornische Flamme nicht gerade die einfachste Sache der Welt. Ich dachte immer, mein Englisch sei ganz gut – aber die Umgangssprache in diesem Land lernt man erst, wenn man wirklich hier ganz bewusst lebt. Noch heute muss ich das eine oder andere Wort noch erklärt bekommen oder heimlich nachlesen.

Erschreckend oft beschränkt sich die Ausbildung hier ausschließlich auf die USA. Fast als wenn es den Weltkrieg nur in Europa gab und Asien nur bekannt ist durch „Made in China“. Unheimlich ist am Anfang auch das Einkaufen. Eine Gallone fasst hier fast 4 Liter. Das ist die normale Größe im Supermarkt. Alles andere ist klein oder eben viel größer. Levis Jeans kosten $30 und gute Shorts ungefähr $45. Kurze Hosen sind in Hawaii eben wichtiger.

Das Leben erscheint mir hier einfacher, solange man gesund und munter ist. Wenn man eine schlaue Idee hat und diese sich verkaufen lässt, macht man auch gutes Geld. Der Versicherungskaufmann von gestern könnte morgen Millionär sein, ­da steht nichts im Wege. Viele Amerikaner haben mehrere Berufe oder wechseln ihren Karrieren noch in den 40ern oder 50ern. Es gibt viele kleine Unternehmer, die miteinander kooperieren. Die alte Tausch Idee von Dienstleistungen spielt in dieser Wirtschaft eine große Rolle.

Karte

Heute weiß ich, dass ich meine Frau mit meinen Fragen und Handlungen wohl öfter mal amüsiert habe. Sie hat mir den Einstieg in das private und das geschäftliche Leben mit Sicherheit ganz unbewusst erleichtert. Es ist schon gut, wenn man jemanden hat, den man einfach alles fragen kann. Aber die Begeisterung für Super Bowl Sunday und Golden Globe Awards werde ich wohl nie in mein Blut bekommen. Ich geh’ dann lieber Windsurfen oder sehe mir einfach die Sterne an.

Der nächste Teil des Interviews folgt in wenigen Tagen – am besten jetzt gleich den RSS-Newsfeed abonnieren!

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