Reto Stuber interviewt Persönlichkeiten aus Deutschland, die den Weg nach Amerika gemacht haben.
Heute im Interview: Dagmar Finch, Inhaberin von „Peoplefood for dogs“ – hier die Links zu Teil 1 und Teil 2 des Interviews.
Und was war mit Dir, wie hast Du Dich finanziert? War es schwer, Arbeit zu finden?
Ich wusste gar nicht, wo die nächste Stadt war. So fuhr ich in unserer kleinen Stadt von Geschäft zu Geschäft, um eine Arbeit zu finden. Ein Altersheim brauchte eine Hausangestellte, und so fand ich Arbeit. Während ich dort arbeitete, stellte ich fest, dass ich mich gut mit alten Leuten verstehe. Also habe ich mich für eine Zusatzausbildung an einer Abendschule angemeldet. Nach ein paar Monaten habe ich mich dann noch bei einer Krankenschwesterschule angemeldet.
Konntest Du Dich auch privat schnell einleben?
Ja, ich bin eine offene Person, es fällt mir leicht, neue Bekannte zu machen.
Hast Du dort dann alleine gewohnt?
Als es Sommer wurde, war die Schule in New Jersey aus, und meine Nichte kam zu Besuch. „To make a long story short“, dann blieb Sie einfach da, für ein ganzes Jahr hatte ich Sie nur für mich.
Nach ein paar Jahren habe ich dann meinen Partner Kevin kennengelernt. Er hatte drei Töchter, 7, 14 und 15 Jahre alt.
Das hört sich doch sehr schön an! Hast du eigentlich in Virginia Kontakt zu anderen Leuten aus Deutschland gefunden?
Ich habe nur zwei oder drei kennengelernt. Im Internet habe ich von der Plattform www.meetup.com gehört, und das recherchiert. Die nächste Meet-up Group ist fast in Washington, das ist mir zu weit weg. Die treffen sich abends nach der Arbeit, und dann käme ich viel zu spät nach Hause.

Und wie kam es, dass du mittlerweile so viele Hunde zu Hause hast?
Während die Kids aufwuchsen, fingen wir an, Hunde zu uns zu nehmen. Das städtische Hundeheim schläfert die Hunde nach sieben Tagen ein, wenn sie niemand abholt. Unser Tierschutzverein wurde damals gerade gegründet, ich war beim ersten Meeting mit dabei und bin immer noch Mitglied.
Und plötzlich merkte ich, dass ich mit elf Hunden spazieren gehe! Zwölf Jahre und über 300 Hunde später haben wir 17 ältere Hunde bei uns, die sonst kein Zuhause gefunden haben. Mein ältester Hund ist 20 Jahre alt und es geht ihr ganz gut.
… und dadurch bist du auf die Idee mit dem Geschäft gekommen. War es eigentlich schwer, dieses zu aufzubauen?
Durch meine Arbeit mit dem Tierschutzverein und als Heim-Krankenschwester kennen mich viele Leute. Von Beginn weg haben mich total fremde Leute ermutigt, eine Fernsehstation hat sogar einen Beitrag über mich in den Nachrichten gebracht. Danach haben mir Leute im Supermarkt viel Glück gewünscht. Wildfremde Menschen sprechen mich auf der Straße an und fragen: “Bist Du nicht die Frau die Hundefutter macht? Ja? Ich wünsche Dir alles Gute, das ist eine gute Idee und wird’s schon werden.”
Das wünsche ich dir natürlich auch! Vielen Dank für dieses interessante Gespräch und alles Gute!
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