Reto Stuber interviewt Persönlichkeiten aus Deutschland, die den Weg nach Amerika gemacht haben.
Heute im Interview: Jens Hewerer, Inhaber von www.Giddio.com.

Stell Dich am besten zunächst kurz vor.
Hallo, ich bin der Jens Hewerer und bin vor ein paar Jahren von Berlin nach New York ausgewandert.
Wie ist in dir der Entschluss gereift, in die USA zu gehen? Was waren die Gründe, was der Auslöser?
Noch in der Oberschule las ich einmal, dass die letzte Greencard Lottery gespielt werde. “Schade” dachte ich, spielte aber damals nicht mit. Ich war einfach noch zu jung. Jahre später merkte ich durch Zufall, dass es die Lotterie immer noch gibt. Also spielte ich über eine Agentur, mit.
Es gab keine speziellen Gründe, es gab keinen Plan. Einfach nur mitspielen und mal sehen, was passiert. Erst als ich gewonnen hatte, überlegte ich mir, die Chance wahrzunehmen und Amerika auszuprobieren.
Hattest du vorher schon Erfahrungen mit den USA sammeln können?
Nein, überhaupt nicht! Weder hatte ich längere Zeit in Amerika gelebt noch einen Urlaub hier verbracht. Ich kannte auch kaum jemanden. Aber die Chance in ein anderes Land zu ziehen, noch dazu das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hörte sich für mich nach Abenteuer an. Mit gepackten Koffern und Greencard stellte ich mich dieser Herausforderung!
Wie reagierte dein Umfeld in Deutschland auf diese Idee?
Ich traute mich kaum, meiner Familie meine Pläne mitzuteilen. Ich hatte in Deutschland weder eine große Karriere noch eine Beziehung und wollte das Leben in den USA mal ausprobieren.
Meine Mutter und meine Tante hörten sich das an und wünschten mir einfach nur viel Glück. Ich saß Ihnen auf der Couch sprachlos gegenüber. Ich war überrascht und enttäuscht, ein bisschen mehr Emotionen hatte ich schon erwartet.
Hast du jetzt noch Verbindungen in deine alte Heimat? Bist du vielleicht sogar öfters dort?
Selbstverständlich! Neben meiner großen Familie habe ich auch immer noch sehr gute Freunde in Berlin. Außerdem entschied ich mich für New York anstelle Kalifornien, weil der Big Apple doch einiges näher zur alten Heimat liegt. Ich hatte schon mehrmals Besucher hier, teils sogar „Wiederholungstäter“.
Was war das für ein Gefühl, als Du Deine Greencard gewonnen hattest, pure Freude oder auch Skepsis?
Da ich ja kein drängendes Bedürfnis nach Auswanderung hatte, war es weder Freude noch Skepsis, sondern als Erstes eine große Überraschung und dann Abenteuerlust! Überraschung, dass ich gewonnen hatte und Abenteuerlust auf neue Erfahrungen und Herausforderungen.
Wie lange hat es gedauert, bis Du den Schritt über den großen Teich gemacht hast?
Weniger als ein Jahr! Ich habe praktisch nur die Formalitäten wie Gesundheitscheck, Ausbildung, Ersparnisse und Interview erledigen müssen. Dann habe ich meine Siebensachen gepackt.
Wie hat sich dein Leben seit dem gestaltet, wie hast du dich eingelebt?
Privat habe ich mich sehr gut eingelebt und viele neue Freunde gemacht. Ich trat einem Laufklub bei und traf dort meine besten Freunde in Amerika. Außerdem beteilige ich mich an deutschen Gruppen, z. B. über die Internetplattform Meetup.com. Diese Website halte ich für eine sehr gute Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen.
Meine Heimatstadt Berlin hat eine ähnliche Atmosphäre wie New York – wer sich in Berlin wohlfühlt, fühlt sich auch in New York wohl! Und von Amerikanern weiß ich, dass es auch umgekehrt gilt.
Gab es bestimmte Eckpunkte, zum Beispiel bestimmte Personen, die dir geholfen haben, dein neues Leben aufzubauen?
Meine eine Bekannte, die ich hier in Amerika hatte, ließ mich am Anfang auf Ihrer Couch schlafen. Später waren es dann meine Freunde, die ich beim Sport kennenlernte.
Speziell für Deutschland, aber scheinbar auch für Amerika und andere Länder gilt: Nicht ins Fitnessstudio gehen, sondern einem Klub beitreten! Oder einfach eine Gruppe Gleichgesinnter, z. B. via Meetup.com, suchen.
Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Firma zu gründen? Welche Probleme hattest du bei der Gründung?
Einfach durch Zufall fiel mir auf, dass die Amerikaner keine Hörspiele für Kinder kennen. Nach einiger Recherche realisierte ich dann, dass Kinderhörspiele ein rein deutsches Phänomen sind. Also entschied ich mich Giddio zu gründen, um Billy Brown zu produzieren und ihn den amerikanischen Familien vorzustellen.
Probleme bei der Gründung selbst hatte ich keine: Amerika macht es einem einfach, eine Firma zu gründen. Das Land der Unternehmer hat seinen Ruf nicht umsonst! Aber es ist ein längerer Weg, als ich dachte. Ich muss den Amerikanern zuerst Hörspiele und deren Vorzüge erklären.
Hat sich die Auswanderung für Dich gelohnt?
Ja, mit Kinderhörspielen für amerikanische Familien habe ich eine Herausforderung gefunden, die mir auch Selbstständigkeit bringt. Noch arbeite ich an meinem amerikanischen Traum – aber ich bin sicher, dass ich vom “Tellerwäscher” zum Millionär schaffen werde!
Wie stellst du dir deine Zukunft vor, was sind die Pläne im 2010?
In 2010 werde ich mich voll auf Giddio’s Audio Adventures (www.Giddio.com) konzentrieren. Ich hatte in den Vorjahren ein paar Rückschläge, typische Anfängerfehler halt. Aber ich kenne das Ziel und werde auf meinem Weg dahin einfach durchhalten!
Jens, vielen Dank für dieses Interview und alles Gute für die Zukunft!