Erholung beim Zahnarztbesuch
Alle Jahre wieder steht der Besuch beim Onkel Zahnarzt an. In Amerika läuft das ein bisschen anders ab als in der Schweiz – wie ich am eigenen Leib erfuhr. Im Wartezimmer hingen vier TV-Geräte, welche Nachrichten, Sport und Talkshows übertrugen. Als erstes reichte mir das Fräulein einen Laptop, wo ich mich registrierte und etwa 15 Seiten an Fragen zu meinem Gesundheitszustand beantwortete. Nicht zu vergessen eine Handvoll Unterschriften zu allen möglichen Bedingungen. Das wurde alles in den Computer übertragen, und ich war „good to go“.
Ich wurde in die hinteren Räume geleitet, wo der Assistent neue Röntgenbilder und Fotos von meinem Gebiss machte. Diese wurden von der Chefin vom Dienst am Monitor im Detail untersucht. Danach wurden meine Beisserchen herausgeputzt, und ich war entlassen.
Meine neu adoptierte Zahnärztin meinte aber, dass man bei den Weisheitszähnen die Versiegelung erneuern sollte. Ich vereinbarte in der folgenden Woche einen neuen Termin.
Ich machte es mir auf dem Zahnarztstuhl gemütlich. Ob ich eine Massage wolle, fragte es von hinten. Ich bejahte verdutzt, und schon stapfte es sanft in meinem Rücken – der Stuhl hatte eine eingebaute Massagefunktion!
Der Assistent legte rhythmische portugiesische Musik am Computer auf, und ich konnte am Monitor die Titelliste live verfolgen. Das war der angenehme Part, es fühlte sich fast an wie die Einstimmung auf Erholung in einem Spa.
Das hohe Surren der Bohrmaschine holte mich aber rasch in die Realität zurück und trübte die Idylle. Nach einer guten Stunde war der Spuk vorbei. Der Schaden belief sich 2000 Dollar und ein paar Zerquetschte – endlich mal ein Stundenlohn, der sich sehen lassen kann!

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