Interview mit Irmgard Lafrentz: „Als Deutsche bist Du in den USA hoch angesehen!“
Reto Stuber interviewt Persönlichkeiten aus Deutschland, die den Weg nach Amerika gemacht haben.
Heute im Interview: Irmgard Lafrentz, CEO von Globalpress Connection Inc.
Hallo Irmgard, stell Dich am besten kurz vor.
Meine Name ist Irmgard Lafrentz, geboren wurde ich 1951 in der kleinen Stadt Bad Schwartau in Schleswig Holstein. Ich lebe seit genau 25 Jahren in Los Altos, im Herzen des Silicon Valley, circa 60 km südlich von San Francisco. Ich bin hier Inhaberin einer internationalen PR-Agentur, der Globalpress Connection Inc.

Asiapress Group: Asiatische Redakteure wurden von Irmgard eine Woche lang betreut
Wie ist in Dir der Entschluss gereift, in die USA zu gehen? Was waren die Gründe, was der Auslöser?
Meine berufliche Laufbahn begann 1972 in München bei der Firma Rodenstock. Durch meinen damaligen Arbeitgeber hatte ich die Möglichkeit, für 2 Monate bei einem Vertriebspartner in New York ein Praktikum zu absolvieren. Ich war sofort begeistert von der amerikanischen Arbeitsweise.
Wieder zurück in Deutschland lernte ich über die Arbeit dann meinen Mann kennen. Er ist Amerikaner und kam damals aus Silicon Valley nach Deutschland, um Optiken zu kaufen. Damit kam auch die Wende in meinem Leben. Wir haben dann 1984 bei meiner Familie in der Nähe von Lübeck geheiratet und sind im selben Jahr nach Kalifornien gegangen.

Als aktive Rotarierin verbrachte Irmgard mit Cindy aus Florida etliche Zeit in Birmingham, UK auf der Rotary International Convention 2009
Hattest Du vorher schon Erfahrungen mit den USA sammeln können?
Neben dem Praktikum in New York habe ich in den 70gern einige Male Reisen mit dem Greyhound Bus und als Tramperin gemacht. Das alles hatte bei mir dann endgültig für amerikanisches Fernweh gesorgt.
Wie reagierte Dein Umfeld in Deutschland auf diese Idee?
Interessante Frage. Ich muss gestehen, dass es damals kaum jemanden gab, der mir Zuspruch gab. Bei Rodenstock dachten alle, ich sei verrückt mit 33 Jahren einen praktisch fremden Mann zu heiraten und meine Unabhängigkeit aufzugeben. So dachte man damals, und auch für meine Familie war es ein Schock.
Hatte man doch schon aufgegeben, mich als Ehefrau zu sehen und dann noch mit einem Ami … unglaublich. Einige meiner Verwandten sagten mir am Abend vor dem Polterabend ins Gesicht, dass der Bräutigam wahrscheinlich gar nicht kommen werde. Wie in einem schlechten Kitschfilm.
Hast Du jetzt noch Verbindungen in Deine alte Heimat? Bist Du vielleicht sogar noch öfter dort?
Ich habe eine sehr enge Verbindung in die Heimat und bin mindestens ein bis zwei Mal im Jahr in Deutschland. Ich brauche meinen „Deutschland-Fix“ mindestens alle 12 Monate und bin dann in Lübeck oder München, und manchmal auch in beiden Städten. 2009 habe ich mir 2 ganze Monate gegönnt und habe ein „Probeleben“ in Potsdam gemacht. Ich wollte mir dort eine Wohnung kaufen, sehe aber nun davon ab. Ich passe nicht mehr nach Deutschland. Ich werde aber versuchen, regelmäßig im Rahmen meiner Arbeit in Deutschland zu sein, wie zum Beispiel an der electronica-Messe in München.
Hier im Silicon Valley war es für mich eindeutig von Vorteil, deutsch zu sein. Deutsche sind hier meines Erachtens hoch angesehen bezüglich Verlässlichkeit, Arbeitseifer und so weiter. Ich musste aber meine sehr direkte Art etwas modifizieren und dem amerikanischen Gebaren anpassen.
Mit was für Problemen hattest Du zu kämpfen?
Das Einleben in Amerika war sehr schwer für mich, darüber könnte ich einen Roman schreiben. Ich war es nicht gewohnt, meine Gefühle auszudrücken, wollte meinen jungen Ehemann nicht verstören und er hatte keine Ahnung, was in mir vor sich ging.
Nach einem Monat am Swimming Pool brach die Langeweile aus. Dann kam die Erkenntnis, dass ich finanziell plötzlich abhängig war. Das schlug ein wie eine Bombe, und ich suchte nach Verbindungen im Marketing Umfeld. Das gelang dann durch Organisationen wie PRSA Public Relations Association of America, wo ich dann Leute kennen lernte, die mich gleich mochten und mir halfen.
Zunächst bewarb ich mich bei Firmen wie Cisco, Sun und HP – die wussten aber damals kaum, wo Europa auf der Landkarte war. Nach 6 Monaten erfolgloser Jobsuche machte ich mich dann als Beraterin selbstständig. Ich hatte große Hilfe von Freunden, um mein eigenes Portfolio zusammenzustellen. Rodenstock war hier natürlich völlig unbekannt und somit hatte ich keinerlei „Track Record“. Die ersten 2 Jahre waren ziemlich einsam. E-Mail, Internet, das gab es damals noch nicht. Eine Telefonminute nach Deutschland kostete damals ungefähr drei Mark fünfzig.

Farbenprächtige Rotarier aus Korea
Was gefällt Dir an den USA besser?
Ich habe die US Staatsbürgerschaft nicht mal 2 Jahre und fühlte mich immer mehr als Deutsche als Amerikanerin. Seit meinen 2 Monaten in Deutschland letztes Jahr hat sich das total geändert und ich fühle mich nirgends wirklich mehr zu Hause. Two Passports – no Home, sozusagen.
Auf der anderen Seite konnte ich in den USA viel erreichen – besonders beruflich und finanziell. Ich habe ein wunderschönes Haus, fahre einen schicken Audi und kann mir Dinge leisten, die ich in Deutschland vermutlich nie erreicht hätte.
War es schwer, Fuß zu fassen? Was hat Dir geholfen, Dich zurechtzufinden?
Sich hier selbstständig zu machen ist sicherlich nicht leicht, aber wer kreative Ideen hat, kann diese auch gut verwirklichen. Aber ich habe auch Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Nach 12 Jahren Ehe fand ich mich als alleinerziehende, arbeitende Mutter und Geschäftsfrau wieder. Mein Traummann hatte festgestellt, dass er lieber mit einem Mann leben wollte. Mein Sohn war damals zehn.
Ich habe aber nie in Erwägung gezogen, wieder nach Deutschland zurückzugehen. Die Rezessionen, die ich über die letzten Jahre mitgemacht habe, waren auch nicht witzig. Ich habe meine Firma Globalpress Connection dadurch verkleinern müssen. Wir sind aber nach wie vor die Einzigen in unserer Marktnische. Wir bieten Technologieunternehmen die Möglichkeit, vor ausgewählten und hochkalibrigen Journalisten ihr Unternehmen zu positionieren.
Wie stellst Du Dir deine Zukunft vor? Möchtest du dort bleiben, wo du jetzt bist?
Schwere Frage. Ich arbeite an einer Exit Strategy und würde gern meine Firma verkaufen oder an jemanden übergeben. Mein Sohn ist 23, arbeitet in der Filmbranche und wird seinen Weg machen. Ich bin also wieder frei, unabhängig, fit und fast 60.
Ich möchte mehr reisen und Zeit haben, Dinge zu machen, die mir wichtig sind. Ich bin aktive Rotarierin und würde auch dort gerne mehr machen. Doch als Inhaberin von Globalpress lässt sich nicht genug Zeit für Spaß und Engagement bei Rotary freischaufeln.

Irmgard mit Ihrem Sohn Daniel (23) in Potsdam beim Bier.
Irmgard, vielen Dank für dieses interessante Interview!
Tags: Interview
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Mein Name ist Reto Stuber, ich bin 1978 in der Schweiz geboren und lebe heute in New York. Ich hatte das große Glück, eine Greencard zu gewinnen und bin dadurch meinen "American Dream" auf die Spur gekommen. Mein Motto lautet: „Destiny is not a matter of chance, it is a thing to be achieved.“ –
„Das Schicksal ist nicht eine Sache des Zufalls, es ist eine Sache, die erreicht werden kann.“
William Jennings Bryan (1860-1925)
